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Studienseminar in Fritzlar von Kai Kramer-Knell (Rektor als Ausbildungsleiter/Schwerpunkt Förderschule) aktualisiert am 28. Juni 2009


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Arbeitsmaterialien: Rollenspiel

Inhalt:

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Das Rollenspiel: Eine Methode für den handlungsorientierten Unterricht

Entwicklung des Rollenspiels

Paul Watzlawik:

Abgrenzung

Einsichten durch Rollenspiele

Methoden zur Durchführung

Neue Fähigkeiten

  1. Zwang, innerhalb einer gesetzten Frist eine Problemlösung bzw. Entscheidung herbeizuführen
  2. Das Verhalten ist sowohl eine Funktion der Persönlichkeit, als auch der Situation
  3. Man lernt, sich auf die Gefühle anderer einzustellen und sein eigenes Verhalten zu modifizieren.
  4. Man wird sich seiner eigenen Schwächen bewusst .  
  5. Man spielt stets sich selbst in unterschiedlichen Situationen.

Schema des Rollenspiels

Trainingsgrundsätze

  1. Zeit geben, sich mit ihrer Rolle vertraut zu machen.
  2. Sind die Rollen verstanden worden ?
  3. Hinweis worauf es ankommt
  4. Keine Einmischung ins laufende Spiel
  5. Zeitlimit setzen
  6. Genaue Instruktionen für die Beobachter
  7. Analyse vor dem Monitor: • Unterbrechung zur Besprechung von Einzelverhalten • oder Abspielen der Aufnahme mit Analysen der Beobachter
  8. um auf die Körpersprache zu achten
  9. Nur akzeptable Kritik Teile der Aufzeichnung nochmals stumm ablaufen lassen zulassen.
  10. Eventuell Wiederholung des Rollenspiels

Die Auswertungsphase soll:

zusammengestellt aus: http://www.alf.es.bw.schule.de/ergebnisse/rollenspiel vom 24. Mai 2001 18.28 Uhr

 


Szenisches Spiel (Skript aus der Seminararbeit)

 

In welchen Schritten können sich Schüler Unterrichtsinhalte spielerisch aneignen?

Der Lehrer muss für intensive Einfühlung in die Szene sorgen, damit sich die Schüler eine Vorstellung von der Figur in der vorgegebenen Situation machen können, sich in sie hineinversetzen können und bei ihr Ansätze für eigenen Assoziationen, Erfahrungen und Fantasien finden. Je gründlicher und konkreter die Situation, die Figuren und deren Handlungsweisen vor Beginn des Spiels erarbeitet werden, desto besser können sich die Schüler ins Spiel einbringen.

Voraussetzungen zur Einfühlung in die Rolle:

Spielgrundlagen (Präsentationsformen, Materialien)

Vorbereitung des Szenischen Spiels

  1. Aneignung der vorgegebenen Situation Bevor die Schüler selbst spielen, müssen sie der Spielvorlage die Informationen entnehmen, die sie zum Aufbau der Spielsituation brauchen.
    Dies kann vom Lehrer folgendermaßen organisiert werden:
    - L. liest den Text vor, verteilt den Text an die Sch.
    - Sch. Rekonstruieren möglichst detailliert den Inhalt des Geschehens.
    Dazu lässt der L. zusammentragen,
    - Welche Figuren mitspielen: wie sehen sie aus, was tun sie, was sagen sie?
    Der L. schreibt die Namen der Figuren an die Tafel und macht im Tafelbild sichtbar, wer zusammengehört und zwischen wem Konflikte entstehen (zur Veranschaulichung dienen Schriftgröße, Gliederung, Farben)
    - Wo und wann das Geschehen spielt
    - Wie der Gang der Handlung ist
    - Um welches zentrale Problem es geht
  2. Aufbau des Spielortes
    - Die Klasse baut den Ort so genau wie möglich auf. Dazu werden Tische, Stühle, Tafel und Requisiten verwendet. Alles, was so nicht repräsentiert werden kann, ergänzt der L. durch Zeichnungen an der Tafel.
    - Wichtig ist, dass Gegenstände, die in der Szene eine zentrale Rolle spielen, den Sch. als Requisiten zur Verfügung stehen
  3. Verteilung der Rollen
    - Es sollte selbstverständlich sein, dass jeder Schüler einmal spielt
    - Der L. muss verhindern, dass nur die aktivsten Sch. durch Besetzung zentraler Rollen zu Wort kommen
    - Der L. sollte allerdings darauf achten, dass die Figuren, die das Geschehen vorantreiben, die provozieren, zunächst von Sch. gespielt werden, die dazu in der Lage sind (sonst wird das Handlungsmuster nicht sichtbar und es kommen schnell Lustlosigkeit und Langweile auf)
    - Nach der Rollenbesetzung sollten sich die Sch. noch einmal vergegenwärtigen, was über ihre Figur herausgearbeitet wurde und wie sie sich in der vorgegebenen Situation verhält. Dazu stellen die Spieler öffentlich vor, welche Figur sie spielen werden (Name, Alter, Beruf....), was die Figur im wesentlichen tut und sagt und warum sie dies tut und sagt. Der L. unterstützt sie dabei durch Fragen.
  4. Das szenische Spiel
    - Die Schüler spielen möglichst ohne Text in der Hand (lenkt ab)
    - L. macht Vorschläge zur Verstärkung ihrer Handlungen - Mehrere Durchgänge, Besetzung der Rollen wechseln
    - Nach jedem Spieldurchgang wird darüber gesprochen, ob die Darstellung „richtig“ bzw. „realistisch“ war, bzw. warum nicht (Rollenschutz: immer von der Rolle / Textfigur sprechen, nicht auf die Person des Spielers eingehen)

    - Die Sch. gleichen die von ihnen gespielten Rollenfiguren ihren eigenen Alltagshandlungen an. Sie spielen sich selbst, bringen ihre eigene Fantasie, Sprache, Körperlichkeit, ihren Bewegungsdrang, ihre Gefühle etc. mit ein. Nur die Situation / die Figuren sind vorgegeben, das Handeln ist real. Im szenischen Spiel aktivieren die Sch. bestimmte Anteile von sich selbst und machen sie bewusst. Sie können Erfahrungen machen, die im Alltag nicht möglich sind, sie können best. Anteile von sich im Schutz der Rolle ausagieren (z.B. Aggressionen, Wut) und erfahren, wie diese auf andere wirken.

Verschiedene Techniken des Szenischen Spiels sind nachzulesen in: Ingo Scheller: Szenisches Spiel. Handbuch für die pädagogische Praxis. Berlin 1998 (Cornelsen Scriptor)

 


Gedanken zur Durchführung von Rollenspielen

1. Geben Sie den SchülerInnen reichlich Zeit, sich mit ihrer Rolle vertraut zu machen. 2. Möglicherweise ist es wichtig, sich vor Spielbeginn durch kurze Einzelgespräche mit den Akteuren davon zu überzeugen, dass sie ihre Rolle auch verstanden haben. Rollenspiele gehen nur dann „kaputt“, wenn sich ein Spieler ganz anders verhält, als es seine Rolle vorschreibt. 3. Weisen Sie bei schwierigen Rollenspielen, wenn es sich z. B. um die Erarbeitung einer Entscheidung handelt, den „Chef“ darauf hin, worauf es ankommt. Zum Beispiel ob er sich mit seiner eigenen Meinung bis zum Schluss zurückhalten soll. 4. Mischen Sie sich unter keinen Umständen in das Spiel ein, wenn es einmal läuft! Einzige Ausnahme: Das Spiel kann zu keiner Lösung führen, weil ein Spieler gegen seine Rollenanweisung agiert. 5. Rollenspiele verlaufen in der Regel unter Zeitlimit. Geben Sie rechtzeitig ein Zeichen, dass die Zeit zu Ende geht. (Diese Maßnahme ist vor allem dann notwendig, wenn das Spiel mit der Kamera aufgenommen wird, weil ja die Auswertungszeit begrenzt ist.) 6. Geben Sie den beobachtenden SchülerInnen genaue Instruktionen, worauf sie während des Spiels achten sollen, damit die Auswertung nicht in zu subjektives und emotionales Gerede ausartet. 7. Die in der Analyse vorgebrachte Kritik sollte so verpackt sein, dass sie für die Spieler annehmbar ist, d. h. sie dürfen nicht vor der Gruppe das Gesicht verlieren. 8. Wenn Zeit genug zur Verfügung steht, lohnt es sich zuweilen, das gleiche Rollenspiel mit anderer Besetzung nochmals durchzuspielen, wobei es sich manchmal anbietet jene TeilnehmerInnen zu Spielern zu bestimmen, die bei der vorausgegangenen Analyse die schärfste Kritik geübt haben (evtl. auch die, die bisher gar nichts sagten).

Falls eine Videoaufnahme gemacht wurde: 9. Bei der anschliessenden Analyse vor dem Monitor gibt es zwei Möglichkeiten des Vorgehens: * Entweder Sie unterbrechen das Abspielen immer wieder, um sofort Verhaltensweisen zu besprechen - und zwar unter Einbeziehung der Klasse, z. B.: „Wie seht Ihr dieses Verhalten?”. Erst nach den Stellungnahmen aus der Gruppe geben Sie Ihren Kommentar ab. * Sie spielen die gesamte Aufnahme ab und bitten anschliessend die vorher eingeteilten Beobachter, ihre Beobachtungen darzustellen. Dabei gibt es z. B. folgende Fragen: Wer hat am meisten geredet? Hat einer die inoffizielle Führung übernommen? Hat es Missverständnisse gegeben und warum? Ist ein Mitspieler aggressiv geworden? 10. Zuweilen empfiehlt es sich, Teile der Aufzeichnung nochmals stumm ablaufen zu lassen und dabei die Körpersprache zu kommentieren.

Ablauf von Rollenspielen

Vorbereitung Präsentieren Sie den SchülerInnen die Aufgabenstellung, die Ausgangssituation und die beteiligten Personen. Eventuell sind Verständnisfragen zu klären. Überlegen Sie, ob es notwendig ist, den SchülerInnen bewusst zu machen, dass Rollenspiele wichtige „Trockenübungen“ sind. Geben Sie den Beteiligten genaue Hinweise zum Ablauf des Rollenspiels und zum Ablauf der Auswertung. Entschieden Sie, ob Sie die Rollen freiwillig, durch Wahl oder Los festlegen wollen. Verteilen Sie nun die Rollenvorgaben und der Beobachterbogen. Die Beteiligten erhalten genügend Zeit, um sich auf die Situation einzustellen.

Spielphase Nach einer ausreichenden Vorbereitungszeit wird das Rollenspiel durchgeführt. Die beobachtenden SchülerInnen bedenken ihre Aufträge.

Auswertung Zunächst drücken die RollenspielteilnehmerInnen ihre Empfindungen und Gedanken aus. Die Beobachter geben Rückmeldungen ab. Dabei haben die Rollenspieler Gelegenheit zu Rückfragen an die Beobachter. Diskussion der Ergebnisse und Beobachtungen. Anschließend erarbeiten die Beteiligten gemeinsam Verbesserungsvorschläge. Die Ergebnisse werden festgehalten.

Lernkontrolle Dieselben oder andere Spieler haben die Gelegenheit, das Rollenspiel noch einmal durchzuführen und die besprochenen Veränderungen auszuprobieren.

zusammengestellt aus: http://www.alf.es.bw.schule.de/ergebnisse/rollenspiel vom 24. Mai 2001 18.28 Uhr


Einführung in das Rollenspiel Praxis des Rollenspiels und seine Bedeutung für die Erarbeitung von Einsichten und Haltungen

Lebenslauf von Jakob L. Moreno

Das Rollenspiel in seiner heutigen Form geht auf den genialen Arzt und Psychiater JAKOB L. MORENO (1890-1974) zurück. Es lohnt sich, einen Blick auf die Lebensgeschichte dieses gleichermaßen bewunderten wie angefeindeten jüdischen Wissenschaftlers zu werfen, dem die praktische Psychologie bzw. Psychotherapie unendlich viel verdankt. Ich folge mit dieser Darstellung einem Bericht der MORENO-Schülerin A. SCHÜTZENBERGER. MORENO soll am 20. Mai 1890 auf dem Schwarzen Meer geboren worden sein, auf einem Schiff, das in Bukarest vor Anker ging. Er entstammte einer Familie spanisch-jüdischer Herkunft, die sich zeitweise in der Türkei niedergelassen hatte. Er wuchs in Wien auf und spielte schon als Halbwüchsiger mit anderen Kindern im Augarten Stegreiftheater. Später studierte er Medizin und promovierte 1917 im Fach Psychiatrie. 1912 fand eine Begegnung zwischen MORENO und FREUD statt, anlässlich eines Vortrages von FREUD über telepathische Träume - eine missglückte Begegnung. 1915 - 1917 arbeitete MORENO im Lager Mittendorf bei Wien mit Flüchtlingen aus Tirol, wobei er sich besonders für Gruppenbeziehungen interessierte. 1921 gründete er ein Stegreiftheater in Wien. Es wurde ohne Dekorationen gespielt, mit Beteiligung der Zuschauer. Dabei gestaltete MORENO eine lebende Zeitung, d. h. es wurden Tagesereignisse nachgespielt. Bei einer dieser Sitzungen, als man eine Notiz aus den Lokalnachrichten in Szene setzte, übernahm eine junge Frau namens Barbara die Rolle einer ermordeten Prostituierten. Durch den kathartischen (reinigenden, läuternden) Einfluss ihrer Rolle fühlte sich Barbara verändert, und ihre ehelichen Beziehungen wurden besser. Dies ist der Anfang des therapeutischen Theaters, in dem persönliche Probleme gespielt werden. Aus ihm entstand später das Psychodrama. 1925 siedelte MORENO in die Vereinigten Staaten über. Auch dort beschäftigte er sich wieder mit dem improvisierten Gruppentheater und prägte 1931 den Begriff Gruppenpsychotherapie. 1932 führte er Untersuchungen in einer Erziehungsanstalt für junge Mädchen durch und begann damit, den Anfang der wissenschaftlichen Soziometrie zu entwickeln, der grafischen Darstellung von Beziehungsnetzen in Form von Soziogrammen. Zwei Jahre später erörterte er mit Unternehmern die Möglichkeit, die Arbeitsleistung in Betrieben zu erhöhen, indem man das soziale Klima verbessert und dem Einzelnen erlaubt, seine Arbeitskollegen zu wählen. MORENO bekam in dieser Zeit Kontakt zu Wissenschaftlern, die später ebenfalls weltberühmt wurden: SLAVSON, PERLS und LEWIN. 1936 erschien der erste wegweisende Artikel LEWINs über Gruppenklima und die Arbeitsbedingungen in einer autoritären bzw. demokratischen Atmosphäre. Eigenartigerweise lehnte MORENO, der selbst sein Leben lang mit Gruppen experimentiert hatte, LEWINs Arbeiten als zu formell-experimentalwissenschaftlich ab. Es kam zum Bruch. Ab 1936 war MORENO vorwiegend als Hochschullehrer tätig und begründete in diesen Jahren die klassische Form des Psychodramas: das Psychodrama in loco nascendi (auf die Gruppe bezogen) und das Psychodrama in situ (auf eine Person oder ein spezielles Problem bezogen). 1942 erfolgte die Gründung des MORENO-INSTITUTS in New York, das den Anstoß zur weltweiten Ausbreitung von MORENOs Methoden gab. 1964 fand schließlich der erste internationale Psychodrama-Kongress in Paris statt mit mehr als 1000 Teilnehmern aus 37 Ländern. MORENO starb 1974 nach einem Herzanfall. Er war vor allem ein großer Anreger, der der Psychologie Impulse gab, die noch lange fortwirken werden. Nachfolger Die Erfolge MORENOs, durch Rollenspiele den Akteuren Einsicht in das Verhalten Dritter zu ermöglichen, ermunterten andere Psychologen, dieses Verfahren auf die Schulung von Managern aller Ebenen zu übertragen. Den größten Effekt erzielte man mit der Gruppe der Supervisors, d. h. mit jenen Managern der operativen Ebene, die unmittelbar auf eine größere Zahl von Mitarbeitern einzuwirken haben. Federführend bei diesem Unterfangen war vor allem die weltberühmte HARVARD BUSINESS SCHOOL (Cambridge, Mass., USA). Man kann ohne Übertreibung feststellen, dass das Rollenspiel zur industriellen Schulung in den USA einen einmaligen Beitrag geleistet hat. Es ist bedauerlich, dass von diesem wertvollen pädagogischen Hilfsmittel bei Schulungen in Deutschland noch zu wenig Gebrauch gemacht wird, obwohl mittlerweile genügend Literatur über Methodik und Zielsetzung des Rollenspiels vorliegt.

 

Vorteile des Rollenspiels

Was sind nun die Vorteile des Rollenspiels? Zunächst einmal wird eine Gruppe durch das Rollenspiel zu einer meist lebhaften, wenn nicht heftigen Diskussion veranlasst. Es ergeben sich oft erhebliche Meinungsunterschiede darüber, ob und wofür ein Akteur wegen seiner gezeigten Haltung zu tadeln sei; was einen Akteur wohl bewog, sich so zu verhalten, wie er sich verhielt und welches der beste Weg sei, eine verfahrene Situation zu korrigieren bzw. zu meistern. Große Bedeutung kommt dem Überraschungseffekt zu. Liest man beispielsweise ein Rollenspiel nur durch, so bildet man sich sofort eine Meinung über die Auflösung des anstehenden Problems. Spielt man die Situation dann durch, erlebt man, dass die betroffenen Akteure durchaus anders reagieren als erwartet. Aber damit nicht genug: Auch als Mitspieler stellt man am Ende der Diskussion zuweilen erstaunt fest, dass man seine Meinung während des Spiels diametral geändert hat und zu einem ganz anderen Urteil gelangt ist, als man es bei der Präsentation des Problems etwas vorschnell gefällt hatte. Mit anderen Worten: Der Unterschied zwischen theoretischem Denken und praktischem Erfahren wird vehement offenbar. Jeder, der Rollenspiele aktiv mitgemacht hat, gewinnt eine Reihe wesentlicher Einsichten: Er gewöhnt sich vorschnelle Urteile über Personen bzw. ihr Verhalten ab. Es wird ihm klar, dass es niemals eine „absolut“ richtige Lösung für ein Problem gibt. Er erlebt, wie dieselbe Situation von den einzelnen Akteuren ganz verschieden empfunden wird. Er muss feststellen, dass sich diverse selbstzufriedene Vorurteile, beispielsweise über die Vorrechte eines Gruppenleiters, die Stellung eines Betriebsrates oder „junge Leute“, nicht halten lassen. Er lernt ganz allgemein den Wert erkennen, der Diskussionen mit seinesgleichen innewohnt. Er lernt schließlich, mehr oder weniger weltfremde idealistische Vorstellungen abzubauen; weil er nämlich gezwungen wird, seine Überlegungen innerhalb eines Rahmens anzustellen, der durch Faktoren, wie Kosten, Maschinenkapazitäten, Arbeitskräftemangel, Richtlinien der Geschäftsleitung und traditionelle Haltungen des Top-Managements vorgegeben ist. Über diese allgemeinen Einsichten hinaus erwirbt der Rollenspieler Fähigkeiten, die ihm bei der Lösung seiner Alltagsprobleme unmittelbar zugute kommen. Zunächst einmal wird er gezwungen, innerhalb einer gesetzten Frist eine Problemlösung bzw. Entscheidung herbeizuführen. Dies wird er niemals gegen, sondern stets nur mit seinen Gruppenakteuren zu Wege bringen. Daraus ergibt sich, dass der Umgang mit Mitarbeitern viel mehr Geschicklichkeit erfordert als man gemeinhin gewahr wird. Weiterhin wird evident, dass das Verhalten eines Gruppenmitgliedes nicht nur eine Funktion seiner Persönlichkeit ist, sondern auch der Situation, in der es sich befindet. Schließlich lernt man, sich auf die Gefühle anderer einzustellen und sein eigenes Verhalten auf Grund dieser Beobachtung zu modifizieren. Ein heilsamer Nebeneffekt des Rollenspiels ist, dass man sich eigener Schwächen bewusst wird. So kann es einem passieren, dass man sich durch eine Stichelei den Unmut der gesamten Gruppe zuzieht. Endlich lernt man, seine Affekte zu beherrschen. Lässt man beispielsweise im Arbeitsalltag als „kleiner Sachbearbeiter“ seinem Unmut stets freien Lauf, so gewöhnt man sich diese Haltung sehr schnell ab, wenn man einige Male die Rolle des Gruppenleiters gespielt hat. Zusammenfassend kann festgestellt werden: Der erzieherische Effekt des Rollenspiels ist gar nicht hoch genug zu bewerten! Wer indessen - als Leser ohne Rollenpraxis - den Wert des „Rollenspiels an sich“ bezweifelt, weil es sich eben „nur um ein Spiel“ handle, der sei vorweg auf einen wesentlichen Sachverhalt verwiesen: Man lernt nicht eine Rolle auswendig wie ein Schauspieler, sondern man spielt stets eine eigene Partie in mannigfachen Situationen und unter ständig wechselnden Bedingungen. Weil man sein eigenes Verhalten in die Rolle einbringt, kommt das Rollenspiel der Praxis des Berufsalltags so nahe.

 

Schema zum Ablauf

Alle Rollenspiele, die auf den folgenden Seiten vorgestellt werden, sind nach demselben Schema aufgebaut. Am Anfang steht für alle Teilnehmer, also Akteure und Beobachter, eine Einführung in den Fall. Hier wird der Hintergrund geschildert, vor dem sich das spezielle Problem des Falles abspielt. Darauf folgt eine Beschreibung der Rolle für die Spieler. Diese Regieanweisungen sind bewusst kurz gehalten, um dem einzelnen Spieler die Möglichkeit zu geben, seine Rolle „individuell auszuleben“, d. h. es wird ihm nur die allgemeine Richtung vorgeschrieben, in der er sich zu bewegen hat. Schließlich folgt, als dritter Teil des Schemas, eine Instruktion für die Beobachter. Hier sind jene Fragen aufgeführt, die der anschließenden „Manöverkritik“ als Grundlage dienen sollen denn auch das Kritisieren will gelernt sein!

 

Methoden zur Durchführung

Man unterscheidet in den USA zwei Methoden zur Durchführung von Rollenspielen: das Vielfach-Rollenspiel (Multiple Roll Playing) und das Einzel-Rollenspiel (Single Roll Playing). Beim ersten Typ wird dasselbe Problem von mehreren Gruppen simultan durchgespielt. Dies erlaubt hinterher einen Vergleich der Ergebnisse, die von den Gruppen erzielt wurden und eine Analyse des Weges, den jede Gruppe gegangen ist. Das Einzel-Rollenspiel hingegen wird nur von einer Gruppe gespielt, während alle anderen Mitglieder der Schulungsgruppe als Beobachter fungieren. Beide Methoden haben Vor- und Nachteile. Für das Vielfach-Rollenspiel sprechen u. a. folgende Fakten: Es erlaubt bei sehr großen Schulungsgruppen allen Teilnehmern, neue Einstellungen und Verhaltensweisen zu erproben. Es erlaubt, die verschiedenen Ergebnisse der Spielgruppen zu vergleichen. Dabei vermittelt es die Einsicht, dass diese verschiedenen Ereignisse - bei gleicher Problemstellung! – allein auf die unterschiedlichen Interaktionen der Gruppenmitglieder zurückzuführen sind. Weil praktisch alle Teilnehmer einer Lehrgangsgruppe in das Spielgeschehen einbezogen sind, verhindert es das Emporkommen von Schüchternheit oder mangelndem Selbstbewusstsein. Denn wenn alle Gruppen gleichzeitig diskutieren, sind keine Beobachter zugegen, vor denen man sich gehemmt fühlen könnte. Außerdem erzeugt die Viel-Gruppen-Diskussion eine Art Kampfstimmung mit Wettbewerbscharakter, die auch stillere Naturen zum Handeln veranlasst. Betrachtet man es als ein wesentliches Ziel der Mitarbeiterschulung, das Aufspüren der Gefühle Dritter und die adäquate eigene Reaktion darauf zu intensivieren, so ist das Einzel-Rollenspiel das geeignete Mittel hierzu. Unter diesem Gesichtspunkt hat das Einzel-Rollenspiel entscheidende Vorteile: Es besteht die Möglichkeit, das erzielte Ergebnis genau zu analysieren: Wie ist die gesamte Aktion abgelaufen? Hat sich der Gruppenleiter als Persönlichkeit durchgesetzt oder nicht? Ist einer der Spieler in eine Abwehrreaktion gegangen, in der er sich nur noch verteidigte? Welcher andere Spieler hat ihn zu dieser Haltung veranlasst? usw. Die Diskussion des Ergebnisses vermittelt den einzelnen Spielern - oft zum ersten Male in ihrem Leben! - Erkenntnisse darüber, wie ihre Haltung auf andere wirkt. So wird es immer wieder vorkommen, dass einem Spieler, der seiner eigenen Meinung nach ganz sachlich argumentierte, von den übrigen Gruppenmitgliedern Aggressivität oder Intoleranz vorgeworfen wird. Auch die Rolle der Beobachter ist nicht unwesentlich. So glauben sie zuweilen, einem Spieler Effekthascherei oder Opportunismus vorwerfen zu müssen, während der Betroffene doch seine wirkliche Meinung, und zwar wohl überlegt, vorgetragen hat und umgekehrt. Aus dem Gesagten geht hervor, dass keine der beiden Methoden der anderen absolut überlegen ist. Vielmehr haben wir es hier mit zwei verschiedenen Schulungsarten zu tun und zwar im Hinblick auf die zu erreichenden Lernziele. Es empfiehlt sich deshalb, beide Methoden alternierend einzusetzen. Praktisch ergänzen sie sich in idealer Weise und sollten deshalb stets nebeneinander benützt werden.

 

Kategorien des Rollenspiels

Alle Probleme, die sich um sog. zwischenmenschliche Beziehungen (Human Relations) drehen, lassen sich in zwei Kategorien gliedern: Entweder handelt es sich um eine Angesicht-zu-Angesicht-Beziehung, d. h., ein Problem berührt nur den Vorgesetzten und einen einzelnen Mitarbeiter oder es handelt sich um ein Problem, das zwischen dem Vorgesetzten und der ganzen Gruppe besteht. Die erste Kategorie verlangt vom Vorgesetzten ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen und setzt zur optimalen Lösung des Problems Fingerspitzengefühl und Geschicklichkeit im Umgang mit Menschen voraus. Denn alle Lösungen der in diesem Kapitel gebrachten Rollenspiele müssen stets erstreben, bei den von den Entscheidungen Betroffenen keine Frustration zu erzeugen. Erst dann ist eine Problemlösung optimal zu nennen. Um dieser Forderung gerecht zu werden, muss der Vorgesetzte vom Gesprächsbeginn an eine Atmosphäre des Vertrauens aufbauen, die ihn als kollegialen Helfer und nicht als Richter erscheinen lässt. Es gehört zu seinen Aufgaben, sich zunächst einmal einen Einblick in den psychologischen und sozialen Hintergrund seines Mitarbeiters zu verschaffen: Welche Sorgen, Hoffnungen und Erwartungen motivieren ihn? Was kann ich tun, um die Angst eines Mitarbeiters vor einer Unterredung abzubauen? Wie verhindere ich a priori, dass der Mitarbeiter in eine Abwehrstellung geht, aus der heraus er sich nur verteidigt anstatt seine wirklichen Motive vor mir auszubreiten? Will sagen: Bei einer derartigen Unterredung ist es wesentlicher, sich zunächst einmal auf die Gefühle des anderen einzustellen als gleich mit Fakten um sich zu werfen. Es ist kein Meisterstück, einem Mitarbeiter schon während der Gesprächseröffnung sein Versagen vorzuwerfen und dann zu versuchen, die Gründe dafür zu ermitteln. Läuft aber ein Gespräch nicht so, wie man sich das als Chef ursprünglich vorgestellt hatte, d. h. geht der Mitarbeiter enttäuscht und verbittert hinaus, so sollte man sich wenigstens hinterher fragen, was man falsch gemacht hat, um solche Fehlschläge in Zukunft zu vermeiden. Es liegt auf der Hand, dass ein solches Versagen des Chefs im Rollenspiel vor aller Augen in Erscheinung tritt und deshalb einen eminenten erzieherischen Wert besitzt.

 

Behandlung von Gruppenproblemen

Zu den schwierigsten Problemen gehören ohne Zweifel jene, bei denen es sich scheinbar um eine Regelwidrigkeit eines Einzelnen handelt, in Wirklichkeit aber die gesamte Gruppe betroffen ist. Derartige Vorkommnisse setzen die Geschicklichkeit des betroffenen Vorgesetzten voraus, eine richtige Diagnose zu stellen und die Bereitschaft, seine Meinung sofort zu ändern, wenn neue Tatsachen die gesamte Situation in einem anderen Licht erscheinen lassen. All jene Fälle, bei denen es sich um echte Probleme der gesamten Gruppe handelt, erfordern außerdem hohes Geschick in der Besprechungsführung. Viele Vorgesetzte bringen keine zufrieden stellende Entscheidung zu Stande, weil sie bereits bei der Eröffnung der Besprechung gravierende Fehler machen. Es ist nämlich nicht gleichgültig, wie man ein Problem präsentiert. Hier werden vor allem drei Fehler gemacht: Man interpretiert seine eigene Meinung in die Darstellung; man bietet sofort eine Alternative an („Wollt ihr es lieber so oder so machen?“); und schließlich, man schildert ein Problem als Verhalten und nicht als Situation. Beispiel: „Nur weil ihr euch nicht an die Unfallverhütungsvorschriften haltet, hat unsere Abteilung 35% mehr Unfälle als die anderen. Was können wir dagegen unternehmen?“ Es ist klar, dass von einer derartigen Einleitung keine Besserung des Problems zu erwarten ist, weil sich jeder Besprechungsteilnehmer betroffen fühlt und nach Entschuldigungen sucht anstatt sich über eine Abhilfe den Kopf zu zerbrechen. Meistens endet eine solche Besprechung damit, dass die gesamte Gruppe zum Frontalangriff übergeht und dem Chef die Idiotie der Unfallverhütungsvorschriften klar zu machen sucht und dass man sie einfach ignorieren müsse, wenn man das Produktions-Soll erreichen wolle. Wie anders wäre diese Besprechung verlaufen, wenn sie mit folgenden Worten eröffnet worden wäre: „Leider Gottes hatten wir in den vergangenen sechs Monaten 35% mehr Unfälle als andere Abteilungen. Lassen Sie uns zusammen überlegen, wie wir diese Quote drücken können!“ Das Rollenspiel, bei dem es sich um Gruppenprobleme dreht, vermittelt noch eine weitere Fertigkeit, die in der Alltagspraxis meist zu kurz kommt: das Zuhören. Wer in autoritärer Manier eine Besprechung leitet, anstatt die Teilnehmer mit eigenen Vorschlägen kommen zu lassen, wird niemals eine optimale Problemlösung erzielen. Auch dieses Beispiel demonstriert wieder, wie praxisnah Rollenspiele tatsächlich sind. Jedes geglückte Rollenspiel basiert, wie oben bereits kurz erwähnt, auf der Voraussetzung, dass die Teilnehmer im Spiel ihre eigene Meinung vertreten. Oder anders ausgedrückt: Wenn ein Teilnehmer beispielsweise im Spiel die Rolle des Personalchefs zu übernehmen hat, dann soll er so agieren, wie er dies als Personalchef täte, und nicht so, wie er sich vorstellt, dass ein Personalchef handeln würde. Auf diesen wichtigen Tatbestand sollten alle Teilnehmer vor Beginn des Spiels hingewiesen werden.

 

Erfassen der Situation und der Rollen durch die Spieler

Wenn die Rollen verteilt sind, sollte bis zum Beginn der Aktion den Spielern genügend Zeit gelassen werden, sich mit ihrer Rolle vertraut zu machen, d. h. sich mit ihr zu identifizieren. Es darf nicht vorkommen, dass ein Spieler während der Diskussion in seine Unterlagen schauen muss, weil er sich nicht mehr über die zu Grunde liegenden Fakten klar ist. Das hemmt den Fluss der gesamten Aktion und lässt deutlich werden, dass man „nur spielt“. Wenn also, wie im „Dilemma mit dem neuen Kleinbus“, die Rollenanweisung lautet: „Sie sind Fernsehmechaniker, 25 Jahre alt, seit vier Jahren bei der Firma, bedienen nur die Außenbezirke und fahren das älteste Fahrzeug der Gruppe“, so muss der Spielleiter verlangen, dass der Spieler sich seine Instruktionen einprägt, um sich während des Spieles nur noch auf die Auseinandersetzung mit den übrigen Akteuren konzentrieren zu können.

 

Erlebnischarakter

In jedem gelungenen Rollenspiel, in dem die oben genannten Voraussetzungen erfüllt sind, werden Emotionen aufgerührt, d. h. es gibt hitzige Diskussionen, die in der Argumentation durchaus persönlich eingefärbt sind. Gerade dieser Umstand lässt das Rollenspiel zu einem unauslöschlichen Erlebnis werden. Kaum ein Teilnehmer vergisst jemals wieder diese Situation, ihre Stimmung und die von den einzelnen Teilnehmern und ihm selbst gezeigten Verhaltensweisen. Und wann immer im Berufsalltag eine nur annähernd gleiche Situation auftaucht, wird sofort die Erinnerung an dieses Rollenspiel geweckt und mahnt: „Vorsicht! Das hast du schon einmal erlebt! Lass erst mal den anderen kommen!“ usw.

 

Hinweise zur Praxis

Ehe Sie nunmehr die erste Rolle in Angriff nehmen, noch ein paar Hinweise aus der Praxis für die Praxis: Kümmern Sie sich nicht um Äußerlichkeiten, wie die Ausstattung des Raumes etc. Denn ein Rollenspiel lässt sich ohne viele Umstände oder Aufwand an jedem Ort durchführen. Von Vorteil ist, wenn die Tische und Stühle beweglich sind. Aber selbst in Schulräumen mit fest montierten Bänken lässt es sich spielen, wenn sich die Teilnehmer in einer Bankreihe umdrehen und damit den Kollegen der nächsten Bank ins Gesicht schauen. Bereiten Sie etwa 20 cm lange Kartonstreifen vor, mit den Namen der Rollenfiguren darauf, die in die obere Sakkotasche gesteckt werden; so wissen alle, wer wer ist. Vermeiden Sie nach Möglichkeit, dass Vorgesetzte mitspielen! Dies hemmt normalerweise die freie Entfaltung. (Ausnahmen bestätigen die Regel!) Wenn das Rollenspiel irgendwie schief läuft, so lassen Sie sich als Trainingsleiter nicht zum vorzeitigen Abbruchs des Spieles verleiten. Je mehr Fehler gemacht werden, desto lehrreicher ist letzten Endes die ganze Aktion für alle Beteiligte. Nur wenn das Spiel, beispielsweise infolge krassen Versagens des Spielgruppen-Chefs, so in die Sackgasse geraten ist, dass Weiterspielen sinnlos wäre, dann brechen Sie ab. Die Beobachter sollten sich absoluter Neutralität befleißigen und vor allem versuchen Heiterkeitsausbrüche zu unterdrücken. Solche Störungen reißen die Spieler aus ihrem Engagement und lassen in Sekundenschnelle bewusst werden, dass doch „nur gespielt“ wird.

zusammengestellt aus: http://www.alf.es.bw.schule.de/ergebnisse/rollenspiel vom 24. Mai 2001 1828 Uhr

 


 

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